Neun Sekunden. So lange dauerte es auf der Website einer Musikschule in Heuchelheim, bis ein Besucher auf dem Handy den ersten Knopf antippen konnte. Gebaut hatte ich diese Seite selbst, zwei Jahre vorher. Sie war nicht kaputt. Sie war langsam geworden.
Das ist der Teil, der die meisten Betriebe überrascht: Eine Website verlangsamt sich mit den Jahren von allein. Es kommen Bilder dazu, ein Plugin für das Kontaktformular, eine Karte, ein Cookie-Hinweis, ein Newsletter-Feld. Jedes Stück für sich ist harmlos. Zusammen kosten sie Sekunden.
Und Sekunden auf dem Handy sind teuer. Im Folgenden zeige ich Ihnen, woran es üblicherweise liegt, wie Sie es in zwei Minuten selbst nachmessen und was sich davon ohne neue Website beheben lässt.

Warum das Handy eine andere Welt ist als Ihr Bürorechner
Wenn Sie Ihre eigene Seite aufrufen, ist sie schnell. Das täuscht gleich dreifach.
Ihr Browser hat die Bilder und Schriften bereits gespeichert, Sie sitzen im eigenen WLAN, und Ihr Rechner ist stärker als das Telefon, mit dem Ihr Kunde in der Bahn sitzt. Der Kunde hat nichts davon. Er lädt alles zum ersten Mal, über Mobilfunk, auf einem drei Jahre alten Gerät. Für ihn ist Ihre Seite eine andere Seite.
Dazu kommt: Er hat kein Motiv, zu warten. Er hat Ihren Betrieb gerade erst gegoogelt, kennt Sie nicht und hat vier weitere Treffer auf dem Bildschirm. Der Zurück-Knopf ist der bequemste Weg, den es gibt.
Was die Sekunden auffrisst
In den Seiten, die ich betreue, sind es fast immer dieselben vier Ursachen. Die Zahlen dahinter stammen aus echten Umbauten, nicht aus Erfahrungswerten.
1. Bilder in voller Kameraauflösung
Der häufigste Fall, und der ärgerlichste, weil er so leicht zu beheben ist. Ein Foto kommt mit 4.000 Pixel Breite aus der Kamera und wird auf einem Handydisplay auf 400 Pixel angezeigt. Geladen werden trotzdem alle 4.000.
Bei der erwähnten Musikschule wog eine einzelne Seite dadurch 2.240 Kilobyte. Nach dem Umbau waren es 684. Dieselben Bilder, dasselbe Aussehen, ein Drittel des Gewichts.
2. Zu viele Design-Dateien, die sich gegenseitig blockieren
Jedes Plugin bringt seine eigene Design-Datei mit. Der Browser muss jede einzelne davon geladen und verstanden haben, bevor er überhaupt etwas anzeigen darf. Bei zwanzig Dateien wartet Ihr Kunde zwanzigmal.
In meinem eigenen Shop tag-u.de waren es über zwanzig solcher Dateien. Zusammengefasst auf zwei. Am Aussehen der Seite hat sich nichts geändert, an der Wartezeit vor dem ersten Bild sehr viel.
3. Karten, Slider und eingebettete Videos
Eine eingebundene Google-Karte lädt beim Seitenaufruf ein komplettes Kartenprogramm mit, ob der Besucher sie ansieht oder nicht. Bildergalerien, die von selbst weiterblättern, und eingebettete Videos verhalten sich genauso.
Bei der Website des NoISE Lab habe ich die Karte durch ein Vorschaubild ersetzt, das erst auf Klick die echte Karte nachlädt. Das spart Ladezeit und nebenbei die Datenübertragung an Google, solange der Besucher nicht selbst darauf tippt. Der Tempowert der Seite stieg an einem Vormittag von 72 auf 95 von 100 Punkten.
4. Der Server antwortet zu spät
Bevor irgendetwas geladen werden kann, muss der Server die Seite erst zusammenbauen. Bei billigen Hosting-Paketen dauert dieser erste Schritt allein oft schon eine halbe Sekunde, und in dieser Zeit sieht Ihr Kunde eine weiße Fläche.
Auf tag-u.de lagen die Produktseiten bei 423 Millisekunden, weil sich die Seiten wegen eines Einkaufswagen-Details nicht zwischenspeichern ließen. Nach der Korrektur waren es 29 Millisekunden. Solche Fehler sieht man der Seite nicht an, man muss sie messen.
Was Sie das kostet
Ich nenne Ihnen hier bewusst keine Studie mit einer eindrucksvollen Prozentzahl. Rechnen Sie stattdessen mit Ihren eigenen Zahlen.
Angenommen, 200 Menschen im Monat rufen Ihre Seite auf dem Handy auf. Wenn jeder Fünfte abbricht, bevor er überhaupt etwas gesehen hat, sind das 40 Personen im Monat, 480 im Jahr. Sie brauchen davon nicht 480. Für die meisten Betriebe, mit denen ich arbeite, würde einer im Monat den Unterschied machen.
Ob es bei Ihnen jeder Fünfte ist oder jeder Zwanzigste, weiß ich nicht. Das steht in Ihren Zahlen, nicht in meinen. Sicher ist die Richtung: Wer wartet, wartet nicht gern, und niemand ruft eine Seite ein zweites Mal auf, weil sie beim ersten Mal zu lange gebraucht hat.
Dazu kommt Google. Die Suchmaschine misst seit Jahren mit, wie schnell eine Seite auf dem Handy benutzbar wird, und lässt das in die Platzierung einfließen. Wie stark genau, verrät Google nicht. Bei zwei Betrieben aus derselben Stadt mit ähnlichen Inhalten ist es aber kein Vorteil, der langsamere zu sein.
Messen Sie es selbst, es dauert zwei Minuten
Sie müssen mir nichts davon glauben. Google stellt das Prüfwerkzeug kostenlos bereit.
- Rufen Sie pagespeed.web.dev auf und geben Sie Ihre Adresse ein.
- Achten Sie auf den Reiter Mobil, nicht auf Desktop. Der Desktop-Wert sieht fast immer besser aus und interessiert Ihre Kunden am wenigsten.
- Sehen Sie sich die Zahl oben an. Unter 50 ist ein Problem, 50 bis 89 ist verbesserungswürdig, ab 90 ist die Seite in Ordnung.
Machen Sie danach noch die ehrlichere Prüfung: Nehmen Sie Ihr eigenes Telefon, schalten Sie das WLAN aus und rufen Sie Ihre Startseite auf. Zählen Sie mit, bis Sie den ersten Knopf antippen können. Bei mehr als drei Sekunden lohnt sich ein genauerer Blick.
Zum Vergleich: Die Seiten, die ich betreue, liegen mobil zwischen 94 und 97 Punkten, diese hier bei 97. Sie können das jederzeit selbst nachprüfen, dafür braucht es keinen Zugang und keine Erlaubnis.
Was sich ändern lässt, meistens ohne neue Website
Ein schlechter Wert bedeutet nicht, dass Sie eine neue Website brauchen. In den meisten Fällen, die mir begegnen, steckt die Seite selbst voller brauchbarer Inhalte, und es sind die vier Punkte von oben, die sie ausbremsen. Bilder verkleinern, Design-Dateien zusammenfassen, Karten und Videos erst auf Klick laden, Zwischenspeicher richtig einstellen. Das ist Handwerk, keine Neugestaltung.
Wichtiger als der einmalige Umbau ist allerdings, dass es so bleibt. Die Musikschule vom Anfang war ja nicht schlecht gebaut, sie war zwei Jahre gewachsen. Genau dafür gibt es die monatliche Pflege: Updates, Sicherungen und eben auch der regelmäßige Blick auf die Ladezeit, bevor daraus neun Sekunden werden. Was das kostet, steht offen auf meiner Seite Pakete und Preise.
Wenn Sie Ihren Wert kennen und nicht wissen, was er bedeutet
Schicken Sie mir die Zahl. Ich sage Ihnen, ob sich der Aufwand bei Ihnen lohnt oder ob Sie das Geld besser woanders anlegen. Das ist keine verkappte Verkaufsberatung: Bei einer Seite mit 88 Punkten würde ich Ihnen von einem Umbau abraten, weil die letzten Punkte am teuersten und am wenigsten spürbar sind.
Das Erstgespräch dauert 30 Minuten, kostet nichts und findet online oder bei Ihnen im Betrieb statt, wenn Sie im Raum Marburg oder Gießen sitzen. Hier können Sie einen Termin aussuchen.
Wie eine solche Überarbeitung im Einzelnen abläuft, habe ich am Beispiel des NoISE Lab aufgeschrieben: von 72 auf 95 an einem Vormittag. Und falls Sie gerade eher am Anfang stehen: Was kostet eine Website?

